Stiftung Die Brücke zum Leben

Wie alles begann

Im Sog der Auswanderungswelle der Deutschen gen Osten verließ Ende des 18. Jahrhunderts (um 1770 herum) auch meine Familie ihre norddeutsche Heimat. Sie siedelte sich in Polen an. 1945 verlor sie durch die staatliche Enteignung all ihren Besitz. Sie musste sich von ihrem schönen Bauernhof und allem anderen trennen. Meine Familie ging wieder zurück nach Westdeutschland und ließ sich in Nordrhein-Westfalen nieder.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte mein Vater 1948 schwer verletzt und todkrank aus russischer Gefangenschaft zurück. Die Familie begann wieder beim Nullpunkt. Mit großem Fleiß, Sparsamkeit und starkem christlichen Vertrauen bauten meine Eltern ein neues Nest für unsere Familie auf. Wir Kinder standen immer im Mittelpunkt ihrer Zuneigung. Sie taten alles Menschenmögliche, um uns den Weg ins Leben so gut es ging zu ermöglichen.

So durfte ich meinen Wunsch verwirklichen, Kaufmann zu werden – und machte mich mit 21 Jahren selbstständig. Mein Anfangskapital bestand aus 5.000 DM, das ich mir mühsam zusammengespart hatte. Durch starken Willen, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen gelang es mir, ein wundervolles Unternehmen aufzubauen.

Eines Tages, als es mir wirtschaftlich schon gut ging und mein Vater bereits verstorben war, fragte ich meine Mutter, was ich ihr besonders Gutes tun könne und was sie sich von Herzen wünsche. Ich wollte mich dafür bedanken, dass mir meine Eltern durch ihre Hingabe und Aufopferung so viel ermöglicht hatten.

Die Antwort meiner Mutter war klar und deutlich: „Ich habe alles, mir fehlt nichts. Aber es gibt viele Menschen auf dieser Welt, die Not leiden. Viele Kinder, die keine Eltern haben, die für sie sorgen. Witwen, die keinen haben, der sich um sie kümmert. In der Bibel steht doch, dass wir für Waisen und Witwen sorgen sollen, wenn sie in Not sind. Wenn du uns Eltern etwas dafür zurückgeben willst, was wir für dich getan haben, dann gib es den Waisenkindern. Damit würdest du uns eine große Freude machen.“

Von diesem Tage an hatte ich eine neue Lebensperspektive und begann, mich für diese Menschen zu engagieren. Somit hat meine Mutter den eigentlichen Grundstein gelegt für unsere Stiftung DIE BRÜCKE ZUM LEBEN, die Ende 2011 ins Leben gerufen wurde.

- Gerd Johannes Hemmerling -